Erinnerungswand

6. November 2017

Erinnerungswand
Erinnerungswand

1988 wird das Switchboard als Ersatz für das frühere schwule Zentrum von den Frankfurter Schwulengruppen geplant und gemeinsam mit der AIDS-Hilfe ins Leben gegründet. Am 24.09.1988 wird die  Eröffnung in der Alten Gasse 36 gefeiert. Es entsteht ein Zentrum von Schwulen für Schwule.

Auch wird der Wunsch nach einem eigenen, alltäglichen Ort zur Erinnerung und Trauer formuliert.

Michael Bühne entwirft eine Erinnerungswand im April 1988: „… Die Tafel wider das Schweigen hat Männermaß. Sie ist 1,80 m groß (durchschnittliche Männergröße) und 60 cm breit (durchschnittliche Schulterbreite). Der Betrachter kann sich direkt mit seinem Leib zur Tafel in Beziehung ringen. Sie steht, wie er selbst, auf der Erde und entspricht seinen Proportionen. … Wir erfahren sowohl Liebe wie auch Trauer mit unserem ganzen Sein, deshalb die Männermaße. Das Material ist banal, aber lebendig, das Blattgold hebt es aus dem alltäglichen Zusammenhang. Gold ist kostbar – Leben, Erinnern. Wir können die Tafel vielseitig benutzen: direkt darauf schreiben, einritzen wie in Bäume oder Schulbänke …

Inzwischen wurden die Traueranzeigen durch eine Verglasung geschützt, ohne jedoch ihre Lebendigkeit zu verlieren. Sie sind Zeitzeugen geworden.

2014 erhält die Erinnerungswand einen neuen Standort im Keller, um eine ungestörte Begegnung zu ermöglichen. Sie wird ergänzt durch einen digitalen Bilderrahmen, der den Dialog mit der heutigen Zeit darstellt. Der Keller mit seiner alten Wand symbolisiert die Ursprünge der AIDS-Hilfe Frankfurt, die Wurzeln von Switchboard und Positiventreff.